Deutscher Gewerkschaftsbund

Branche Landwirtschaft

Struktur der Branche

Die Saisonbeschäftigten aus Ost- und Südosteuropa sind seit Jahren ein fester Bestandteil der Landwirtschaft in Deutschland. In der Saison 2019/2020 waren 274.700 Menschen in der Saisonarbeit tätig und stellten damit fast ein Drittel aller in der Landwirtschaft arbeitenden Menschen in Deutschland (Statistisches Bundesamt 2021). Sie werden überwiegend während der Erntesaison im Bereich der Sonderkulturen (unter anderem Spargel, Erdbeeren, Weintrauben, Baumobst) eingestellt, die von März bis Oktober reicht.

Der größte Teil der Saisonarbeiter*innen kommt aus Rumänien, aber auch Polen, Bulgarien und die Ukraine sind wichtige Herkunftsländer. Ein erheblicher Teil der Saisonbeschäftigten aus dem EU-Raum arbeitet unter dem Modell der kurzfristigen Beschäftigung.

Saisonbeschäftigte werden bei den Agrarbetrieben in Deutschland direkt angestellt. Die Vermittlung kann auf unterschiedliche Weise erfolgen: In den meisten Fällen werden sie über informelle Vermittlerfirmen aus den Herkunftsländern rekrutiert. Große Betriebe rekrutieren Beschäftigte auch direkt in den Herkunftsländern oder bewerben die Saisonarbeit über eigene Social-Media-Kanäle. Ein kleiner Teil der Beschäftigten wird auch über externe Online-Plattformen angeworben.

Hauptprobleme

Abzüge von Löhnen: Die häufigsten Beschwerdefälle in der Beratung ist der Abzug von Löhnen. Zwar muss der gesetzliche Mindestlohn gezahlt werden, er darf aber auf Basis von Akkordlöhnen ausgezahlt werden. Fehlende Arbeitsverträge, pauschale Lohnabrechnungen und das Auszahlen der Löhne erst unmittelbar vor der Abreise sorgt für Intransparenz bei den Beschäftigten und führt vielfach zu Lohnbetrug. In manchen Fällen werden geleistete Überstunden nicht ausbezahlt, in anderen Fällen werden illegale Abzüge von den Löhnen vorgenommen. Eine legale Form des Abzugs von Löhnen sind Wuchermieten über einen separaten Mietvertrag.  

Problematische Unterkünfte: In manchen Fällen werden Saisonarbeitskräfte von der Betriebsleitung in menschenunwürdigen Unterkünften untergebracht. Ehemalige Militärbaracken, Container, umgebaute Ställe und andere Gebäude in sehr schlechtem baulichem Zustand dienen als Unterkunft. Auch die Ausstattung der Räume (einfache Metallhochbetten, Schaumstoffmatratzen ohne Bezug oder Schimmelbefall an Decke und Wänden) ist vielfach ein Problem, ebenso wie die fehlende Anzahl und Qualität von Toiletten, Duschen und Kochstellen.

Fehlender Arbeitsschutz: Generell ist die Landwirtschaft der Bereich mit den meisten Arbeitsunfällen in Deutschland. Eine besondere Herausforderung für die Saisonarbeiter*innen ist die stundenlange Arbeit in praller Sonne bei oftmals fehlendem UV-Schutz auf den Feldern.

Fehlende Sozialversicherung: Saisonarbeiter*innen sind über die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft unfallversichert. Der Krankenversicherungsschutz von kurzfristig Beschäftigten jedoch beschränkt sich zumeist auf eine private Gruppenversicherung, die der Arbeitgeber abschließt. In der Praxis bedeutet dies, dass die Behandlung chronischer Krankheiten nicht abgedeckt ist und die Beschäftigten bei dem Zugang zu medizinischer Versorgung vom Arbeitgeber abhängen. Zudem entstehen für kurzfristig Beschäftigte, die teils Jahrzehnte lang regelmäßig Jahr in Deutschland arbeiten, massive Lücken im Rentenversicherungsverlauf.

 

Aktivitäten

Wir beraten bundesweit Saisonbeschäftigte aus der Landwirtschaft. Faire Mobilität ist zudem Teil der Initiative Faire Landarbeit. Im Bündnis mit der IG BAU, den Beratungsstellen von EVW und Arbeit und Leben sowie weiteren Organisationen werden bundesweit Feldaktionen durchgeführt, um einen Erstkontakt zu Saisonbeschäftigten herzustellen und sie über ihre Arbeitsrechte zu informieren. Als Bündnis haben wir im Jahr 2021 bei 44 Feldaktionen 2500 Saisonbeschäftigte direkt erreicht.

Bericht Saisonarbeit in der Landwirtschaft

Für faire Arbeitsbedingungen auf Feldern in Deutschland!

Hintergrundinformation zur Saisonarbeit in der Landwirtschaft

Hintergrundinformation zur Saisonarbeit in der Landwirtschaft

Saisonarbeiter*innen in der Landwirtschaft in Deutschland sind systemrelevant. Nicht erst seit der Corona-Pandemie. Etwa 250.000 Menschen verrichten jedes Jahr Schwerstarbeit auf deutschen Feldern. Die meisten kommen aus Ost- und Südosteuropa. Obwohl sie die Versorgung mit Lebensmitteln sicherstellen, sind ihre Lohn- und Arbeitsbedingungen vielfach entwürdigend.

Reportage Saisonarbeit

Faire Mobilität

Für faire Arbeitsbedingungen auf Feldern in Deutschland! (PDF, 790 kB)

Die Broschüre kann kostenfrei bestellt werden: bestellung@faire-mobilitaet.de


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Faire Arbeit in der Landwirtschaft

FAQs und Hotlines für Beschäftigte aus Ländern der Europäischen Union

Sie kommen aus einem Land der Europäischen Union (EU) und arbeiten in Deutschland als Saisonarbeiter*in

 

  • Wie ist Ihre Beschäftigung in Deutschland geregelt?

    Sie kommen aus einem Land das Mitglied der Europäischen Union (EU) ist und wollen in der Landwirtschaft in Deutschland arbeiten?

    Für Sie gilt das deutsche Arbeitsrecht!

    Dazu gehören Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn pro Stunde, bezahlten Erholungsurlaub bzw. dessen Auszahlung nach Beschäftigungsende sowie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und vieles mehr.

    In Deutschland gibt es ein System der Sozialversicherung. Grundsätzlich sind Sie in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das soll Arbeitnehmer*innen vor den Folgen von Krankheit und Alter schützen.

    Die Beträge für die Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Krankenversicherung werden je zur Hälfte vom Betrieb und von ihnen als Arbeitnehmer*in gezahlt und direkt vom Lohn abgezogen. Das bedeutet, dass ca. 20 Prozent von Ihrem Bruttolohn für Sozialabgaben abgezogen werden.

    Als Ausnahme gilt: Wenn Sie in Deutschland maximal für 70 Tage oder 3 Monate innerhalb eines Kalenderjahres arbeiten und die Tätigkeit nicht berufsmäßig ausüben. Diese Beschäftigungsform wird kurzfristige Beschäftigung genannt.

    In diesem Fall müssen Ihr Arbeitgeber und Sie keine Beiträge zur Sozialversicherung in Deutschland bezahlen. So erwerben Sie keinen Anspruch auf Rente und Sie sind auch nicht automatisch krankenversichert.

    Ihr Arbeitgeber prüft vor Beginn Ihrer Tätigkeit, ob Sie sozialversichert werden müssen oder nicht. Dafür erhalten Sie einen Fragebogen bei der zuständigen Behörde in Ihrem Heimatland. 

    Die Arbeit kann als nicht berufsmäßig gelten, wenn Sie:

    • Hausfrau*mann sind und zum Beispiel eine Kopie einer Heiratsurkunde und einen Einkommensnachweis der (Ehe-)Partner*in vorlegen.
    • Rentner*innen sind und einen Rentenbescheid vorlegen.
    • Studierende sind und eine Immatrikulationsbescheinigung vorlegen
    • Schüler*innen sind und eine Schulbescheinigung vorlegen
    • In dem Land in dem Sie wohnen, eine Arbeitsstelle haben und bezahlten Urlaub haben oder Überstunden ausgleichen.
    • selbstständig sind, jedoch darf keine Selbständigkeit in der Landwirtschaft oder im Gartenbau bestehen.
  • Wo sind Sie sozialversichert und was tun Sie, wenn Sie krank werden?

    Sie sind in Ihrem Herkunftsland bei einem Arbeitgeber angestellt oder selbständige*r Landwirt*in?

    Dann sind Sie auch während Ihrer Arbeit als Saisonarbeiter*in durch die Sozialversicherung in Ihrem Herkunftsland sozial- und krankenversichert. Dies zeigen Sie dem Arbeitgeber in Deutschland mit einer sog. A1-Bescheinigung an. Eine A1-Bescheinigung können Sie vor Ihrer Abreise in Ihrem Herkunftsland bei der zuständigen Behörde beantragen.

    Wir empfehlen: Beantragen Sie eine A1 Bescheinigung vor Ihrer Abreise und bringen Sie die Bescheinigung mit nach Deutschland.

    Ohne die A1-Bescheinigung sind Sie bei einer kurzfristigen Beschäftigung in Deutschland NICHT automatisch krankenversichert.

    Sie sind Renter*in, Student*in oder Hausfrau/Hausmann?

    Dann prüft ihr Arbeitgeber in Deutschland vor Beginn Ihrer Tätigkeit, ob Sie in Ihrem Herkunftsland sozial- und krankenversichert sind.

    Hierfür gibt es Fragebögen, die auf dieser Seite in verschiedenen Sprachen heruntergeladen werden können: http://www.svlfg.de/auslaendische-saisonarbeitskraefte

    Wir empfehlen bei einer Sozial- und Krankenversicherung im Herkunftsland: Beantragen Sie eine europäische Krankenversicherungskarte, damit Sie ohne Probleme in Deutschland zum Arzt* zur Ärztin gehen können.

    Sie haben keine Krankenversicherung?

    Ihr Arbeitgeber kann in Deutschland eine private Krankenversicherung für Saisonarbeiter*innen abschließen. Achtung: Diese Krankenversicherung deckt nicht jede Erkrankung ab. Fragen Sie nach welche Leistungen Ihnen über diese private Krankenversicherung zustehen.

    Der Arbeitgeber trägt meistens die Kosten für diese private Krankenversicherung. Wenn nicht, muss er das vorher mit Ihnen vereinbaren.

    Wichtig: Lassen Sie sich eine Bescheinigung aushändigen, mit der Sie selbständig zum Arzt* zur Ärztin gehen können.

    Wenn Sie krank werden, informieren Sie umgehend Ihren Arbeitgeber und gehen Sie zu einem Arzt oder einer Ärztin. Sie werden untersucht und – wenn Sie krank sind – Ihnen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung („Krankschreibung“) ausgestellt.

    Diese müssen Sie Ihrem Arbeitgeber vorlegen. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung muss auch an Ihre Krankenversicherung geschickt werden.

    Ihren Lohn bekommen Sie in der Zeit einer Krankheit weitergezahlt,

    • wenn Sie durch eine*n Arzt*Ärztin krankgeschrieben werden
    • und wenn Sie schon länger als vier Wochen in demselben Betrieb arbeiten.

    In diesem Fall bekommen Sie Ihren Lohn durch den Betrieb in der Zeit der Krankheit für maximal sechs Wochen lang weitergezahlt.

    Sind Sie in Deutschland krankenversichert, steht Ihnen möglicherweise danach auch Krankengeld zu.

    In unserer Hotline oder unseren Beratungsstellen können Sie dazu weitere Informationen erhalten.

    Hinweis

    Sie haben das Recht, sich selbst eine*n Arzt/Ärztin auszusuchen.

    Legen Sie dort Ihre Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) oder eine Bescheinigung über eine private Krankenversicherung vor. Die Karte oder Bescheinigung muss von jeder Arztpraxis akzeptiert werden. Bei einer notwendigen Behandlung, dürfen Sie nicht wegschickt werden. Mit einem gebrochenen Bein, einem kranken Zahn, eine Virusinfektion und ähnliche Notfälle, oder zur laufenden Betreuung chronischer Erkrankungen wie Diabetes haben Sie immer Anspruch auf eine Behandlung.

    Sollten Sie die Behandlung direkt bezahlen müssen, lassen Sie sich unbedingt eine Quittung über die genaue Summe aushändigen. Diese reichen Sie nach der Rückkehr bei Ihrer Krankenversicherung ein, um die Kosten zurück erstattet zu bekommen.

     

  • Wie viel verdienen Sie als Saisonarbeiter*in?

    Für alle Beschäftigten in der Landwirtschaft in Deutschland gilt der gesetzliche Mindestlohn von 9,82 € brutto pro Stunde.

    Der gesetzliche Mindestlohn steigt:

    ab 1. Juli 2022 auf 10,45 Euro brutto pro Stunde

    Dieser Lohn gilt für alle Menschen, die in Deutschland arbeiten, ganz egal aus welchem Land Sie kommen. Ihr Wohnsitz oder Ihre Nationalität spielen dabei keine Rolle. Der deutsche Mindestlohn gilt auch, wenn Sie von einem Arbeitgeber aus Ihrer Heimat oder einem anderen Land nach Deutschland zum Arbeiten geschickt wurden oder wenn Sie mit einer A1-Bescheinigung aus Ihrer Heimat nach Deutschland zum Arbeiten gekommen sind.

    In der Ernte geben die Arbeitgeber häufig vor, wie viel Kilo Obst und Gemüse ein*e Arbeiter*in ernten muss und wie viel Euro er*sie dafür bekommt. Solche Stück- und Akkordlöhne sind zulässig. Trotzdem darf Ihnen der Arbeitgeber in der Stunde nicht weniger als den aktuell geltenden Mindestlohn pro Stunde bezahlen.

    Ernten Sie so viele Kisten in der Stunde, dass Sie mehr als 9,82 € erwirtschaften, muss Ihnen der

    Arbeitgeber entsprechend mehr bezahlen.

    Beispiel1: Wenn Sie 8 Stunden arbeiten, müssen Sie mindestens (8 Stunden x 9,82 €) 78,56 € brutto bekommen. Das gilt auch, wenn Sie nach Kisten bezahlt werden! Ihr Stundenlohn darf nicht unter dem aktuell geltenden Mindestlohn pro Stunde liegen.

    Wichtig

    Um Ihren Lohnanspruch auszurechnen, notieren Sie jeden Tag den Beginn, das Ende und die Dauer der Arbeitszeit, einschließlich der Pausen. Notieren Sie, was und wo Sie gearbeitet haben sowie Namen, Heimatanschrift und Handynummern von Kolleg*innen, die dies bezeugen können.

    Machen Sie nach Möglichkeit Fotos. Lassen Sie sich Ihre Stundenliste von einem Vorarbeiter per Unterschrift bestätigen. Wenn das nicht geht, bitten Sie eine*n Kolleg*in per Unterschrift Ihre Angaben zu bestätigen.

    Bei Akkordlohn: Schreiben Sie sich die abgegebenen Kisten oder Mengen auf und notieren Sie auch Ihre Stunden, die Sie dafür gebraucht haben. Nur durch genaues Aufschreiben Ihrer Arbeitszeiten können Sie überprüfen, ob der erhaltene Lohn stimmt.

    Arbeitszeitkalender

    Faire Mobilität

  • Welchen Arbeitsvertrag haben Sie?

    In Deutschland muss der Arbeitgeber Ihnen keinen schriftlichen Arbeitsvertrag geben. Als Arbeitsvertrag kann auch das gelten, was Sie mit dem Arbeitgeber mündlich oder per E-Mail ausgemacht haben. Er muss Ihnen aber spätestens nach einem Monat die wesentlichen Vertragsbedingungen schriftlich vorlegen. Das machen viele Arbeitgeber nicht, obwohl Sie es müssten.

    Verlangen Sie von Ihrem Arbeitgeber deshalb einen schriftlichen Arbeitsvertrag. Der Arbeitgeber muss Ihnen einen Vertrag nicht in einer Sprache geben, die Sie verstehen. Wenn der Arbeitsvertrag in einer für Sie fremden Sprache geschrieben ist, sagen Sie dem Arbeitgeber, dass Sie den Vertrag unterschrieben wiederbringen werden, nachdem Sie ihn haben übersetzen lassen.

    Achten Sie darauf, dass der Arbeitsvertrag von Ihnen und dem Arbeitgeber unterschrieben ist und lassen Sie sich unbedingt ein unterschriebenes Exemplar des Vertrages geben, das Sie aufbewahren sollten.

    Laut Gesetz soll ein Arbeitsvertrag enthalten:

    • Name und Anschrift von Ihnen und von Ihrem Arbeitgeber
    • Beginn und vorhersehbare Dauer des Arbeitsverhältnisses
    • Arbeitsort
    • Beschreibung der Arbeit
    • Höhe des Arbeitslohnes sowie ggf. Zuschläge und deren Fälligkeit
    • Vereinbarte Arbeitszeit
    • Dauer des Erholungsurlaubes
    • Fristen für die Kündigung des Arbeitsverhältnisses
    • Hinweis auf geltende Tarifverträge

    WICHTIG

    Um bei einem arbeitsrechtlichen Streit gut vorbereitet zu sein, machen Sie Fotos vom Betriebsschild, Standortbilder oder Fotos von der Unterkunft. Fotografieren Sie alle Dokumente, die Sie unterschreiben.

  • Wann muss Ihnen der Lohn bezahlt werden?

    Dies steht in Ihrem Arbeitsvertrag. Wenn Sie keinen Vertrag bekommen haben, fragen Sie nach! Im Gesetz ist geregelt, dass der Lohn spätestens am Ende des Folgemonats, in dem die Arbeit geleistet wurde, gezahlt werden muss. Das bedeutet, dass Sie den Lohn für April spätestens am 31. Mai bekommen müssen.

    Mit der Auszahlung ist der Arbeitgeber verpflichtet, Ihnen eine Lohnabrechnung zu geben. Eine Lohnabrechnung soll mindestens folgende Informationen enthalten:

    • Anzahl der gearbeiteten Stunden
    • Höhe des monatlichen Bruttolohns
    • Höhe der Abzüge für Lohnsteuern
    • Weitere Abzüge (zum Beispiel für die Unterkunft und Verpflegung, Vorschüsse)
    • Auszahlungsbetrag (Nettolohn)

    Sollten Sie mit dem Arbeitgeber vereinbart haben, dass der gesamte Lohn erst am Ende der Saisonarbeit ausgezahlt wird, dann sollten Sie unbedingt wöchentliche Zwischenabrechnungen per WhatsApp oder über andere Nachrichtendienste verlangen und sich Ihre Arbeitszeit genau aufschreiben.

    Wenn Sie Geld im Voraus bekommen, lassen Sie sich eine Quittung mit der genauen Summe (ausgeschrieben in Worten) geben.

    Unterschreiben Sie NIEMALS leere Belege, Quittungen oder Zettel!

  • Wie lange und wie viel dürfen Sie als Saisonarbeiter*in arbeiten?

    Die durchschnittliche Arbeitszeit liegt in Deutschland normalerweise bei 8 Stunden und darf vorübergehend auf bis zu 10 Stunden ausgeweitet werden. Zwischen zwei Schichten ist normalerweise eine Ruhezeit von 11 Stunden vorgeschrieben.

    Für Ihre Arbeitszeit und Lohn gilt zunächst das, was in Ihrem Arbeitsvertrag vereinbart ist. Sollten Sie kürzere Arbeitszeiten vereinbart haben, gelten diese. Der Arbeitgeber darf nicht einseitig die Arbeitszeiten verkürzen oder verlängern. Sie müssen zustimmen. Tun Sie dies nicht, kann es passieren, dass der Arbeitgeber Ihnen eine sogenannte Änderungskündigung aushändigt. Das bedeutet, dass er Sie kündigt, Ihnen aber gleichzeitig eine Beschäftigung zu anderen Bedingungen anbietet. Wenden Sie sich in diesem Fall unbedingt an die Hotline, die Gewerkschaft oder eine Beratungsstelle.

  • Was gilt in der Landwirtschaft als Arbeitszeit?

    Arbeitszeit fängt an zu zählen, wenn Sie auf einem Feld, dem Hof oder anderen Orten auf dem Betrieb stehen und beginnen zu arbeiten.

    Die Pausen gehören nicht zur Arbeitszeit.

    Wenn Sie zwischen 6 und 9 Stunden arbeiten, haben Sie Anspruch auf eine Pause von 30 Minuten, die Ihnen spätestens nach 6 Stunden zusteht.

    Wenn Sie länger als 9 Stunden arbeiten, haben Sie Anspruch auf eine Pause von 45 Minuten.

    Pausenzeiten gehören nicht zur Arbeitszeit und werden nicht bezahlt.

    Allerdings gilt die Zeit, die sie brauchen, um zwei hintereinanderliegende Einsatzorte (Felder) zu erreichen, als Arbeitszeit und muss bezahlt werden.

  • Was sind Überstunden und müssen diese bezahlt werden?

    Überstunden können vom Arbeitgeber angeordnet werden, wenn dies im Arbeitsvertrag genau geregelt ist. Jedoch gilt hier, dass die Arbeitszeit von 10 Stunden pro Tag nicht überschritten werden darf.

    Die Überstunden müssen normalerweise bezahlt werden. Ausgleich durch freie Tage ist nur möglich, wenn dies im Arbeitsvertrag vereinbart wurde.

  • Was tun Sie, wenn Sie gekündigt werden?

    Eine Kündigung muss grundsätzlich schriftlich sein, das bedeutet auf einem Stück Papier und vom Arbeitgeber persönlich unterschrieben sein. Wenn Sie kündigen wollen, müssen Sie den Brief an den Arbeitgeber auch unterschreiben.

    In einem Kündigungsschreiben müssen bestimmte Kündigungsfristen eingehalten werden. Wenn das Arbeitsverhältnis weniger als 3 Monate besteht, können diese sehr kurz sein. Aus wichtigem Grund kann Ihnen der Arbeitgeber auch fristlos, also mit sofortiger Wirkung, kündigen.

    Sie müssen eine Kündigung, die Ihnen Ihr Arbeitgeber gibt, nicht unterschreiben.

    Wenn Sie eine Kündigung erhalten, wenden Sie sich unbedingt an die Hotline/Beratungsstelle.  Es kann sein, dass die Kündigung nicht wirksam ist, weil der Arbeitgeber Fehler gemacht hat.

    Eine mündliche Kündigung oder eine über SMS, WhatsApp, Viber oder E-Mail oder mit eingescannten Unterschriften oder in Fotokopien ist unwirksam.

    Eine mündliche Kündigung ist immer unwirksam! Damit Sie Ihren Lohnanspruch behalten, müssen Sie dem Arbeitgeber aber sagen, dass Sie weiter arbeiten wollen und können. Sie sollten einen Kollegen/ eine Kollegin als Zeug*in dabei haben oder dies übers Handy dem Arbeitgeber mitteilen.

    Achtung

    Auch eine mündliche Kündigung oder auch eine, die Sie per SMS, WhatsApp, Viber oder E-Mail erhalten haben, wird gültig, wenn Sie dagegen keine Klage einreichen. Darum: Wenn Sie schriftlich oder mündlich gekündigt werden und weiterarbeiten wollen, dann wenden Sie sich an die Hotline oder an eine Beratungsstelle!

    Mehr zur Kündigung können Sie hier nachlesen: https://www.fair-arbeiten.eu/de/article/15.kündigung.html

  • Was darf Ihnen für Unterkunft und Verpflegung berechnet werden?

    Wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen Verpflegung und Unterkunft zur Verfügung stellt und vom Lohn abzieht, muss er das auf der Lohnabrechnung so darstellen, dass Sie es verstehen können.

    Hinweis

    Wenn der Arbeitgeber Ihnen die Kosten für Verpflegung und die Unterkunft vom Lohn abzieht, muss er dabei beachten, dass Ihnen genug Geld zum Leben bleibt. Dieser Mindestbetrag wird Pfändungsfreigrenze genannt und darf vom Arbeitgeber nicht unterschritten werden. Die Höhe der Pfändungsfreigrenze hängt von der Anzahl der Personen ab, für die Sie Unterhalt bezahlen müssen (Ehepartner*in, Kinder etc.).

    Beispiel 1: Sie sind alleinstehend und haben keine Kinder. Bis zu einem Nettoeinkommen von 1.259,99 Euro darf Ihnen nichts abgezogen werden.

    Beispiel 2: Sie sind verheiratet, haben zwei Kinder und kommen somit für den Unterhalt von drei weiteren Personen auf. Bis zu einem Nettoeinkommen von 2.249,99 Euro darf Ihnen nichts abgezogen werden. Erst wenn das Nettoeinkommen über dieser Grenze liegt, kann der Arbeitgeber Kosten für Verpflegung und Unterkunft berechnen.

    Für die Verpflegung können im Jahr 2022 maximal folgende Beträge angerechnet werden:

    Pro Monat: Für Frühstück 56,00 Euro, für Mittagessen 107,00 Euro und für Abendessen 107,00 Euro. Dies ergibt insgesamt einen Betrag von maximal 270,00 Euro im Monat.

    Pro Tag: Für Frühstück 1,87 Euro, für Mittagessen 3,57 Euro und für Abendessen 3,57 Euro. Dies ergibt insgesamt einen Tagessatz von maximal 9,00 Euro.

    Für die Unterkunft dürfen maximal 241,00 Euro im Monat berechnet werden. Wenn Sie mit mehreren Personen in einem Zimmer untergebracht sind, muss weniger abgezogen werden: Bei zwei Personen höchstens 144,60 Euro, bei drei Personen 120,50 Euro und bei mehr als drei Personen 96,40 Euro.

    Wenn Sie die Verpflegung und Unterkunft nicht von Ihrem Arbeitgeber bekommen, sondern von anderen Personen oder Firmen, dann sollte Ihnen ein Miet- oder Dienstleistungsvertrag zur Unterschrift vorgelegt werden. Wenn Sie keine Verträge bekommen, fragen Sie unbedingt nach, wie viel Geld Ihnen am Ende der Saison für Unterkunft und Verpflegung berechnet wird.

    Wenn die Verpflegung und die Unterkunft nicht den Vereinbarungen entsprechen, machen Sie Fotos davon! Im Streitfall können Sie sie als Beweis verwenden.

  • Arbeitsschutz, Ausrüstung und Wasser

    Alle Arbeitsgeräte und die persönliche Schutzausrüstung müssen Ihnen vom Arbeitgeber kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Dazu gehören arbeitsgerechte Handschuhe sowie Sonnen- und Regenschutz. Außerdem muss Ihnen bei Arbeit in Hitze ausreichend Wasser bereitgestellt werden.

    Achten Sie bei der ersten monatlichen Lohnabrechnung darauf, dass Ihnen dafür nichts vom Lohn abgezogen wurde.

    Mehr Informationen zum Schutz der Gesundheit bei der Arbeit in der Landwirtschaft: www.agriwork-germany.de

  • Kann ich mich gegen Covid-19 impfen lassen?

    Sie können sich als Saisonarbeitskraft in Deutschland kostenlos impfen lassen.

    Der Arbeitgeber hat Sie über Impfangebote zu informieren.

    Für die Impfung nehmen Sie entweder Ihren unterschriebenen Arbeitsvertrag oder eine Bescheinigung des Arbeitgebers und auch Ihren gültigen Ausweis mit.

    Wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen ein Impfangebot während der Arbeitszeit macht oder Sie nur einen

    Impftermin während der Arbeitszeit bekommen, erhalten Sie weiter Ihren Lohn.

  • Wenn Sie sich mit dem Corona-Virus infiziert haben

    Wenn Sie sich mit dem Corona-Virus infiziert haben, Sie starke Symptome haben und nicht arbeiten können, lassen Sie sich krankschreiben. Melden Sie Ihre Arbeitsunfähigkeit unverzüglich dem Arbeitgeber. Die voraussichtliche Dauer der Krankheit können Sie mittels einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, die Sie vom Arzt*von der Ärztin bekommen, nachweisen.

  • Wann erhalten Sie Lohn während der Quarantäne?

    Bei einer Krankschreibung (Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung) bekommen Sie Lohnfortzahlung wegen der Krankheit.

    Wenn Sie sich mit dem Corona-Virus angesteckt haben oder aufgrund eines Kontaktes mit einer Infizierten Person in Quarantäne müssen, aber nicht arbeitsunfähig krank sind, gilt Folgendes:

    Dann steht Ihnen unter bestimmen Voraussetzungen eine Entschädigungszahlung in Höhe Ihres Arbeitslohns nach dem Infektionsschutzgesetz zu. Diese Zahlung bekommen Sie von Ihrem Arbeitgeber statt Ihres Lohnes. Ihr Arbeitgeber bekommt das Geld vom Gesundheitsamt erstattet.

    Müssen sie in Quarantäne und haben Fragen hierzu, wenden Sie sich an unsere Beratungsstellen.

    Wird an Ihrem Arbeitsplatz Quarantäne bei gleichzeitigem Arbeiten (sogenannte Arbeitsquarantäne) angeordnet und Sie haben Fragen hierzu, wenden Sie sich an unsere Beratung.

  • Werden Sie Mitglied in der Gewerkschaft

    Saisonarbeiter*innen können jetzt Jahresmitglied in der zuständigen Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) werden. Die Mitgliedschaft beginnt in diesem Fall mit der Beitragszahlung und endet nach 12 Monaten ohne Kündigung, sofern sie nicht erneuert wird.

    Der Jahresbeitrag liegt bei 150,60 Euro für das ganze Jahr. Im Streitfall unterstützt Sie die Gewerkschaft dabei, Ihren Lohn einzufordern oder gegen eine ungerechtfertigte Kündigung vorzugehen.

    Sind Sie in Ihrem Heimatland bereits Gewerkschaftsmitglied, fragen Sie bei der IG BAU, ob Ihre Mitgliedschaft anerkannt wird.

    Hier bekommen Sie mehr Informationen zur Mitgliedschaft:

    +49 391 4085-105 für Englisch/Deutsch - https://igbau.de/EN.html

    +49 391 4085-106 für Bulgarisch - https://igbau.de/BU.html

    +49 391 4085-107 für Rumänisch  - https://igbau.de/RUM.html

    +49 391 4085-108 für Polnisch - https://igbau.de/POL.html

    +49 391 4085-114 für Bosnisch-Kroatisch-Serbisch  - https://igbau.de/KRO.html

    +49 391 4085-921 für Russisch -  https://igbau.de/RUS.html

    +49 391 4085-922 für Ungarisch - https://igbau.de/UN.html

     Ukrainisch - https://igbau.de/UKR.html

    Sie können auch eine E-Mail schreiben an: mobil@igbau.de (alle Sprachen).

    Bericht der Initiative Faire Landarbeit (2021)

     

    Bericht der Initiative Faire Landarbeit (2020)

    Jährlich gibt das PECO-Institut e.V. gemeinsam mit der IG BAU den Bericht der Initiative Faire Landarbeit heraus. Der diesjährige Bericht gibt einen Überblick über gesellschaftliche Diskussionen, politische Entwicklungen und mediale Berichterstattung rund um das Thema Saisonarbeit unter Pandemiebedingungen. Die Erfahrungen von Gewerkschaftsfunktionären und Beratungsstellen sowie Fallschilderungen und Interviews mit Saisonarbeitskräften, zeigen unter welchen Bedingungen in diesem Jahr auf deutschen Feldern geerntet wurde.

    Aus dem Bericht: “Zu den aus den letzten Jahren bekannten Verstößen kamen in diesem Jahr die Nichteinhaltung der Hygieneauflagen, extrem lange Arbeitszeiten und ein enorm hoher Arbeitsdruck aufgrund des Fehlens vieler Helfer*innen hinzu.”

    Bericht zur Saisonarbeit in der Landwirtschaft (2019)

    Seit 2016 beschäftigt sich die Initiative Faire Landarbeit mit dem Thema landwirtschaftliche Saisonarbeit. Zu dem Bündnis gehören die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), die DBG-Beratungsstellen für Arbeitsrecht von Faire Mobilität und Arbeit und Leben, der Europäischen Verein für Wanderarbeiterfragen (EVW), das PECO-Institut e.V. und weitere Organisationen und Einzelpersonen.

    Der Bericht wurde im Austausch mit den Partnerorganisationen der Initiative Faire Landarbeit verfasst. Er bietet nicht nur einen Überblick über die Arbeitsweise des Bündnisses, sondern auch Einblicke in die Arbeitsbedingungen der Saisonarbeiter*innen in Deutschland. Neben Missständen werden Handlungswege aufgezeigt, die für bessere Rahmenbedingungen sorgen sollen: Damit die Beschäftigten die Anerkennung bekommen, die sie für ihre wertvolle Arbeit verdienen.

    Situationsbericht Saisonarbeit in der Landwirtschaft (2015)

    Zur Situation von zeitlich befristeten Beschäftigten in der Landwirtschaft
    Bericht 2015 der Initiative Faire Landwirtschaft

    www.agriworker.eu 

    Die AGRI-Worker APP – ein neues Informationstool für landwirtschaftliche Saisonarbeiter*innen

    IG BAU Forderungen: Maßnahmen für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen von mobilen Beschäftigten

     

  • Wichtige Links

FAQ Praca sezonowa i koronawirus (FAQ auf Polnisch)

FAQ Muncitori sezonieri și Corona (FAQ auf Rumänisch)

GYIK Mezőgazdasági munka és a koronavírus (FAQ auf Ungarisch)

FAQ sezonski radnik i koronavirus (FAQ auf Kroatisch)

Често задавани въпроси и дежурни телефонни линии за сезонни работници на различни езици (FAQ auf Bulgarisch)

 

Broschüre: Drepturile dvs. ca muncitor sezonier în agricultură în Germania (PDF, 306 kB)

rumänische Ausgabe, Mai 2022 Die Broschüre kann kostenfrei bestellt werden: bestellung@faire-mobilitaet.de

Kontakt

Benjamin Luig

Branchenkoordination Landwirtschaft bei Faire Mobilität
Koordination Initiative Faire Landarbeit
Europäischer Verein für Wanderarbeiterfragen (EVW)

 

Mobil + 49 151 67342680
E-Mail benjamin.luig@emwu.org