Polnische Beschäftigte bei Tesla in Grünheide

Harte Arbeitsbedingungen, Erpressbarkeit durch Leiharbeit, Hürden für Mitbestimmung: Erkenntnisse aus der Beratungsarbeit von Faire Mobilität

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Polnische Beschäftigte bei Tesla in Grünheide

Studie / Analyse

Harte Arbeitsbedingungen, Erpressbarkeit durch Leiharbeit, Hürden für Mitbestimmung: Erkenntnisse aus der Beratungsarbeit von Faire Mobilität

15. Januar 2026

Das im März 2022 eröffnete Tesla-Werk in Grünheide, vor den Toren Berlins, ist der größte private Arbeitgeber Brandenburgs. Etwa 11.000 Menschen aus über 100 Nationen arbeiten hier, zwischen 1.000 und 2.000 sind Pol*innen. Die meisten von ihnen kommen jeden Tag aus Polen zur Arbeit. Die Arbeitsbedingungen bei Tesla sind hart, die Zahl der Verletzungen und Arbeitsunfälle liegt deutlich über dem Branchendurchschnitt, der Krankenstand ebenfalls. Zudem ist die politische Kultur in der „Gigafactory“ von Gewerkschaftsfeindlichkeit und Union Busting geprägt. Seit Bestehen des Werks bietet Faire Mobilität am Bahnhof Fangschleuse, in unmittelbarer Nähe der Fabrik, Beratung für polnische Beschäftigte an. Mehrere hundert haben seither Kontakt aufgenommen. Die dabei in den letzten dreieinhalb Jahren gewonnenen Erkenntnisse zeigen: Die Situation der polnischen Beschäftigten unterscheidet sich in einigen Punkten von den schon allgemein schwierigen Bedingungen, unter denen Tesla-Mitarbeiter*innen in Grünheide arbeiten.

Tesla Grünheide: Entwicklung, Arbeitsbedingungen, Managementkultur

Die Ansiedlung des Tesla-Werks in Grünheide fiel in die Zeit steigender Nachfrage nach Elektrofahrzeugen weltweit. Die Firma des Multimilliardärs Elon Musk war damals führend bei der Produktion von E-Autos, das Brandenburger Werk sollte den wachsenden europäischen Markt bedienen. Inzwischen hat die Konkurrenz nachgezogen, im E-Autosegment ist Tesla 2024 von Platz eins auf Platz drei hinter VW und BMW abgerutscht.[i] Gleichzeitig stockt mangels günstiger Modelle die Nachfrage nach Elektroautos, und Musks zeitweise Tätigkeit für die Trump-Regierung und die zur Schau gestellten rechtsextremen Ansichten des Unternehmensgründers wirken sich zusätzlich negativ auf die Verkaufszahlen aus. Im Werk in Grünheide haben sich diese Entwicklungen bisher allerdings kaum niedergeschlagen. Die Zahl des Personals ist relativ stabil, es werden im Jahr 200.000 Autos produziert;[ii] auch die Pläne zum Ausbau des Werks wurden offenbar nicht aufgegeben, liegen aber aktuell auf Eis.

Vor Ort trifft Musks Autofabrik nicht nur auf Gegenliebe. Wegen als undurchsichtig kritisierter Vergabeverfahren, eiliger Waldrodungen und Sorgen um die Gefährdung des Grundwassers war der Bau des Werks von Protesten von Anwohner*innen und Umweltschützer*innen begleitet. Negativschlagzeilen macht die Gigafactory aber auch wegen harter und gefährlicher Arbeitsbedingungen, eines despotischen Managementstils, etwa bei Krankschreibungen, die regelmäßig angezweifelt werden, und gewerkschaftsfeindlicher Maßnahmen. Dennoch hat es die IG Metall geschafft, sich im Werk zu etablieren. Bei der Betriebsratswahl im Frühjahr 2024 wurde die IG-Metall-Liste stärkste Kraft und erreichte 16 von 39 Sitzen im Betriebsrat, stellt aber nicht den Vorsitz in dem Gremium. 

Eine im Herbst 2024 von der IG Metall durchgeführte Umfrage, an der sich 1.200 Beschäftigte beteiligten, ergab, dass sich 83 Prozent oft oder sehr oft überlastet fühlen und 91 Prozent über arbeitsbedingte Schmerzen klagen. Im Frühjahr 2025 übergab die IG Metall eine „Petition für Entlastung“ an die Werksleitung, die 3.086 Kolleg*innen unterzeichnet hatten. Die Petition fordert zusätzliche bezahlte Pausen, ein Ende der Unterbesetzung und mehr Personal für die Teams sowie ein Ende der Schikanen der Mitarbeiter*innen. 

Mitarbeiter*innen an unterschiedlichen Stellen der Produktion kritisieren, dass die Teams konstant unterbesetzt seien. Das führe dazu, dass Beschäftigte mehrere Arbeiten gleichzeitig zu bewältigen hätten. Die Folge seien Überlastung und ein überdurchschnittlich hoher Krankenstand von zeitweise bis zu 15 Prozent[iii][iv] – im Fahrzeugbau sind normalerweise Fehlzeiten von fünf bis sieben Prozent üblich. Gesunde Mitarbeiter*innen müssten die Lücken auffangen, was wiederum die Verletzungs- und Krankheitsgefahr für sie erhöht. Zudem komme es häufig vor, dass Krankschreibungen angezweifelt und Beschäftigte aufgefordert würden, Diagnosen offenzulegen und Ärzt*innen von der Schweigepflicht zu entbinden. Mitunter behält Tesla die Lohnfortzahlung ein, im Sommer 2024 machte der Konzern mit unangekündigten Hausbesuchen bei krankgeschriebenen Beschäftigten Schlagzeilen.[v]

Viele der Probleme könnten durch Tarifverträge und einen aktiven Betriebsrat gelöst oder zumindest abgemildert werden. Doch Konzernchef Musk will weder Gewerkschaften noch Tarifverträge in seinen Werken. Erst im Oktober erklärte der Werksleiter gegenüber der FAZ: „Wir haben noch nie mit der IG Metall verhandelt und werden das auch in Zukunft nicht tun.“[vi]

Auch die Betriebsratsvorsitzende Michaela Schmitz hält einen Tarifvertrag für überflüssig. Schmitz kommt von der managementnahen Liste GigaVoice, die mehrheitlich aus Führungskräften besteht und bei der ersten Betriebsratswahl im Februar 2022, noch vor der offiziellen Eröffnung des Werks, als es noch kaum Beschäftigte in der Produktion gab, die Mehrheit errang. Obwohl die IG-Metall-Liste bei der Wahl 2024 die relative Mehrheit erreichte, behielten die managementnahen Betriebsratsmitglieder den Vorsitz des Gremiums. Die IG Metall hat wegen Rechtsverstößen und der Behinderung der Arbeit der gewerkschaftlich organisierten BR-Mitglieder inzwischen beim Arbeitsgericht beantragt, Schmitz als Betriebsratsvorsitzende abzusetzen. Das Unternehmen hat aktiven IG-Metall-Mitgliedern für die Teilnahme an einer Schulung zu Betriebsratsarbeit mit Kündigungen gedroht. Zudem wurde drei Mitgliedern der IG-Metall-Liste aus unterschiedlichen Gründen mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen gedroht. 

Polnische Beschäftigte: Mehrheit in Leiharbeit

Unter den harten Arbeitsbedingungen bei Tesla leiden auch die 1.000 bis 2.000 polnischen Beschäftigten (offizielle Zahlen gibt es nicht). Gleichwohl gibt es einige Besonderheiten bei den polnischen Beschäftigten. Laut Unternehmen beschäftigt Tesla Menschen aus 150 Ländern.[vii] Pol*innen sind die größte nichtdeutsche Beschäftigtengruppe. Viele arbeiten in der Karosseriefertigung (Body in White) und Endmontage (General Assembly). Als das Brandenburger Werk 2022 mit rund 5.000 Beschäftigten die Produktion aufnahm, setzte Tesla zunächst fast ausschließlich auf Festanstellungen. Das änderte sich schon Ende 2022, als die Firma verstärkt Zeitarbeit einführte. Während vorher polnische Beschäftigte meist noch direkt angestellt und nach der Probezeit oft übernommen wurden, ist heute eine Mehrheit über Leiharbeitsfirmen im Werk tätig. Auch wenn bei Tesla ab dem ersten Tag Equal Pay für Leiharbeiter*innen gilt, sind diese Beschäftigten besonders unter Druck; eine Abmeldung kann jederzeit ausgesprochen werden. Für die Betroffenen ist das Vorgehen intransparent. Immer wieder berichten polnische Leiharbeiter*innen, dass sie erst bei Schichtbeginn feststellen, dass sie abgemeldet wurden und das Werk nicht mehr betreten dürfen. 

Seit Beginn der Zusammenarbeit mit Leiharbeitsfirmen – unter anderem Manpower, die auf dem Werksgelände ein Büro betreibt – waren vor allem die über diese Firmen Beschäftigten den Fluktuationen im Betrieb ausgesetzt: Wenn es zu größeren Kündigungswellen kommt, sind sie meist die ersten, die gehen müssen. Viele machen sich dennoch Hoffnung auf Übernahme in die Festanstellung, was auch dadurch befördert wird, dass Tesla in der Vergangenheit mehrmals Leiharbeiter*innen übernommen hat. Im September 2024 arbeiteten nach Konzernangaben 1.500 Leiharbeitnehmer*innen in Grünheide.[viii] Im Oktober 2024 kündigte das Unternehmen an, zu November 500 von ihnen in die Festanstellung zu übernehmen[ix]; im Frühjahr 2025 gab Tesla abermals bekannt, 300 Leiharbeiter*innen in die Festanstellung zu bringen.[x] Allerdings sind, so der Eindruck aus den Beratungsgesprächen, polnische Leihbeschäftigte nur selten unter denen, die in Festanstellung wechseln können. Vom Stellenabbau im Sommer 2024 wegen der sinkenden Nachfrage waren wiederum vor allem Leiharbeiter*innen betroffen. 400 Stellen sind laut Unternehmen damals gestrichen worden, mindestens 300 davon betrafen Leiharbeiter*innen.[xi]

Der Wunsch nach Übernahme durch Tesla führt, in Kombination mit der Möglichkeit kurzfristiger Abmeldung durch das Unternehmen, dazu, dass Leiharbeiter*innen unter besonderem Leistungs- und Konformitätsdruck stehen. Um nicht ins Visier der Vorgesetzten zu geraten, kommen viele polnische Leiharbeiter*innen auch dann zur Arbeit, wenn sie eigentlich krank sind. Tesla selbst gibt an, dass der Krankenstand bei Leiharbeiter*innen nur bei etwa zwei Prozent liege[xii] – und damit nur bei einem Bruchteil des Krankenstandes der Festangestellten. Die prekäre Lage als Leiharbeiter*innen führt auch dazu, dass viele polnische Beschäftigte zögern, für ihre Rechte einzustehen.

Leiharbeitnehmer*innen müssen zudem bei Brückentagen oder unvorhergesehenen Produktionsstopps oft ihre Urlaubstage aufbrauchen – oder ihnen werden Stunden vom Zeitkonto abgezogen. Ihr Recht auf Erholung und Urlaub ist dadurch eingeschränkt. 2024 musste die Fabrik, unter anderem wegen eines Brandanschlags auf die Stromversorgung, mehrmals die Fertigung pausieren, im Fall des Brandanschlags für ganze zwei Wochen. Während die Festangestellten hierfür bezahlt freigestellt wurden, gab es Leiharbeitnehmer*innen in der Beratung von Faire Mobilität, die die zweite Woche vom Zeitkonto abgezogen bekamen oder Urlaub nehmen mussten. 

Weitere Besonderheiten bei polnischen Tesla-Beschäftigten

Die meisten polnischen Tesla-Beschäftigten sind Pendler*innen, die jeden Morgen und jeden Abend Fahrten von bis zu zwei Stunden auf sich nehmen, um aus Polen zur Arbeit zu gelangen. Die Beschäftigten bilden oft Fahrgemeinschaften mit dem privaten PKW; die Kontakte hierfür werden häufig über Facebook gesucht. Die Bahn wird zur Anreise aus Polen weniger genutzt, da der ländliche Raum nicht gut angebunden ist. Hauptmotivation für die Arbeit am Standort Grünheide sind die im regionalen Vergleich (jedoch nicht im deutschen Industrievergleich) hohen Löhne von im Durchschnitt rund 3.000 Euro brutto.[xiii] Die langen Fahrtwege schränken die Möglichkeit ein, neben der Arbeit noch an weiteren, etwa gewerkschaftlichen Aktivitäten vor Ort teilzunehmen oder Beratungstermine wahrzunehmen. 

Im Betrieb wird auf Deutsch und Englisch kommuniziert, die meisten polnischen Beschäftigten, die in die Beratung kommen, sprechen weder das eine noch das andere. Im Arbeitsprozess spielt die Sprachbarriere keine große Rolle, allerdings bei Personalgesprächen, etwa in Folge einer Krankmeldung, und auch im Verhältnis zur IG Metall und zum Betriebsrat, wo es erst seit Juli 2025 ein ständiges polnisches Mitglied gibt. Viele Ratsuchende klagen zudem über intransparente Beförderungskriterien. Es sei nicht ersichtlich, wann Arbeiter*innen in die nächste Gehaltsstufe hochgestuft werden. Polnische Beschäftigte äußern den Verdacht, dass Gehorsam und Sympathie der Vorgesetzten ausschlaggebend sind.

Betriebliche Mitbestimmung

Schon bevor die Gigafactory die Produktion richtig aufnahm, wählten die Mitarbeiter*innen im Februar 2022 ihren ersten Betriebsrat, der aus 19 Mitgliedern bestand. Neun von ihnen hatten auf der Liste der IG Metall kandidiert. Bei den Betriebsratswahlen im März 2024 wurde die Liste der IG Metall mit 16 von 39 Plätzen zur stärksten eigenen Gruppe im Betriebsrat. Unter den 16 Betriebsratsmitgliedern der IG Metall gab es keine polnischen Kolleg*innen, zwei Polinnen hatten aber auf den Plätzen 17 und 18 kandidiert, weshalb sie in den Sitzungen des Gremiums häufig als Nachrückerinnen vertreten waren. Nachdem dieses Jahr ein Betriebsratsmitglied die Arbeit bei Tesla beendete, ist im Juli eine der polnischen Kolleginnen als festes Mitglied ins Gremium nachgerückt. Die andere polnische Nachrückerin wehrt sich zurzeit mit Unterstützung der IG Metall gegen ihre Kündigung, die Ende 2024 ausgesprochen wurde.

Das Wissen über Beteiligungsrechte am Arbeitsplatz ist unter den polnischen Beschäftigten vergleichsweise gering. Das hat zum einen damit zu tun, dass gewerkschaftliche Strukturen in Polen anders funktionieren, dort sind Betriebsgewerkschaften üblich. Deshalb ist polnischen Beschäftigten oft der Unterschied zwischen Gewerkschaft und Betriebsrat nicht geläufig, und sie wissen nicht immer, mit welchen Anliegen sie sich an welche Instanz wenden können. Hinzu kommt eine Sprachbarriere; sowohl die IG Metall als auch der Betriebsrat haben kaum polnischsprachige Kolleg*innen. Erschwerend für gewerkschaftliches Engagement wirken auch die langen Anfahrtswege aus Polen. Da die Mehrheit zudem als Leiharbeiter*innen beschäftigt ist, sind ihre Möglichkeiten zur Teilhabe an der betrieblichen Mitbestimmung eingeschränkt. Zwar können Leiharbeitnehmer*innen nach drei Monaten auch bei Betriebsratswahlen mitstimmen, sie haben aber kein passives Wahlrecht, können also nicht kandidieren. Leiharbeitnehmer*innen berichten, dass sie vom Tesla-Management über ihr aktives Wahlrecht falsch informiert worden seien; so habe man ihnen gesagt, sie könnten gar nicht wählen. 

Da die überwältigende Mehrheit der polnischen Leiharbeiter*innen auf eine Übernahme in die Festanstellung hofft, sind sie in einem eher gewerkschaftsfeindlichen Klima wie in Grünheide besonders vulnerabel. Ratsuchende äußern Sorgen vor Schikane, wenn sie sich als Gewerkschaftsmitglieder zu erkennen geben würden. Im Fall von Leiharbeiter*innen könnte das eine Abmeldung und damit das Ende des Arbeitsverhältnisses bei Tesla sein. Das wollen die wenigsten riskieren. In der Beratung ist festzustellen, dass polnische Beschäftigte, selbst wenn sie über ihre Rechte erfahren, oft davor zurückschrecken diese einzufordern, um eine Übernahme nicht zu gefährden. All das wirkt sich hinderlich auf die Beteiligung der polnischen Arbeiter*innen im Betrieb aus.

Seit Mitte August 2025 tritt eine neue Initiative polnischer Beschäftigter bei Tesla auf, die „Polska Inicjatywa GIGA Berlin“. Sie hat polnische Kolleg*innen in Flyern aufgerufen, sich zu organisieren, um bei der nächsten Betriebsratswahl im Frühjahr 2026 eine „wirkliche polnische Stimme“ zu schaffen.[xiv] Im Flyer kritisiert sie vor allem Sprachbarrieren, schlechte Informationspolitik des Unternehmens, fehlende Aufstiegsmöglichkeiten und die zusätzlichen Kosten, die polnischen Beschäftigten durch die lange Anfahrt entstehen. Sie fordert mehr Pol*innen in Führungspositionen, Fortbildungen für polnische Beschäftigte und generell eine stärkere Berücksichtigung der polnischen Beschäftigten („Wir beißen nicht in die Hand, die uns ernährt – aber wir werden auch nicht still sein!“). Gegenüber der IG Metall schlägt die Initiative kritische Töne an, die Gewerkschaft würde Konflikte schaffen und nur an ihre eigenen Interessen denken. Welchen Zuspruch die Initiative findet und wie sie sich letztlich im Geflecht zwischen IG Metall und managementnahen Listen einsortieren wird, ist aktuell noch nicht abzusehen. 

Fazit

In den Beratungsgesprächen zeigt sich, dass der Wunsch nach Übernahme in die Festanstellung für viele polnische Beschäftigten eine zentrale Rolle spielt. Der im Vergleich zu Polen hohe Lohn lässt eine Festanstellung bei Tesla trotz ungünstiger Umstände wie langer Fahrtwege, gesundheitsbelastender Arbeitsbedingungen und eines rauen Betriebsklimas attraktiv erscheinen. Dass die Zahl der in Festanstellung übernommenen polnischen Beschäftigten aber zu stagnieren scheint, kann auf lange Sicht für Enttäuschung und Unmut sorgen. Da ein großer Teil der polnischen Beschäftigten als Leiharbeiter*innen tätig sind, sind sie besonders vulnerabel, für sie besteht deutlicher weniger Arbeitsplatzsicherheit als für direkt Angestellte. Fluktuationen vor allem beim über Zeitarbeitsfirmen angeworbenen Personal, Druck von Vorgesetzten bei Krankschreibungen und gewerkschaftlicher Aktivität sind Gründe, warum polnischsprachige Mitarbeiter*innen zögern, für ihre Rechte und eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen einzutreten. 

Gleichzeitig gibt es viele Gründe, auf Verbesserungen hinzuwirken, und die Bildung einer neuen Initiative deutet darauf hin, dass die Situation polnischer Beschäftigter bei den Betriebsratswahlen im Frühjahr 2026 verstärkt in den Fokus rücken könnte. Das ist auch für die IG Metall eine Chance, die sich schon jetzt für die Belange der polnischsprachigen Kolleg*innen einsetzt und einen geschützten Raum für Austausch anbietet. 

Faire Mobilität wird die Beratungsarbeit in Fangschleuse fortsetzen und die Kolleg*innen weiter unterstützen und darin bestärken, ihre Rechte durchzusetzen. Denn die Erfahrung zeigt: Je besser Beschäftigte über ihre Ansprüche Bescheid wissen, desto eher sind sie auch bereit, diese selbstbewusst zu vertreten.
 


[i] ADAC. E-Auto-Bilanz 2024: Škoda top, Tesla flop, 9.1.2025: https://www.adac.de/news/auto-bilanz-e-autos-2024/#:~:text=E%2DAutos:%20Drastischer%20Einbruch%20bei%20den%20Neuzulassungen%20Im,Rabatte%20von%20Herstellerseite%20nicht%20aufgefangen%20werden%20konnten

[ii] Faz: Das Tesla-Rätsel von Grünheide, 24.9.2025: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/das-tesla-raetsel-von-gruenheide-accg-110697746.html

[iii] Handelsblatt: Chefs kontrollieren krank gemeldete Mitarbeiter, 27.9.2024:  https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/tesla-gruenheide-chefs-kontrollieren-krank-gemeldete-mitarbeiter/100072340.html

[iv] Der Anteil der krank gemeldeten Arbeitnehmer*innen insgesamt lag in Deutschland im Jahr 2024 bei 5,9 Prozent (https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-2/krankenstand.html). Mercedes-Chef Olla Källenius klagte im vergangenen Jahr ebenfalls über viele kranke Mitarbeiter*innen; bei BMW dagegen, wo die Arbeitsbedingungen als relativ gut gelten, lag der Anteil der Kranken im Jahr 2023 nur bei 3,8 Prozent. Der Spiegel: Ist Deutschland ein Paradies für Blaumacher? 25.11.2024: https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/krankenstand-ist-deutschland-ein-paradies-fuer-blaumacher-a-75643682-4469-4e25-b122-bb869513776f 

[v] Tagesspiegel: Hausbesuche bei Krankmeldung: Brandenburgs Tesla – Werksleiter verteidigt Vorgehen. 26.9.2024: https://www.tagesspiegel.de/potsdam/brandenburg/elektroautos-tesla-werksleiter-verteidigt-hausbesuche-bei-krankmeldung-12438449.html

[vi] Faz: „Wir werden die Gangart bei Tesla verschärfen“, 14.10.2025: www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/tesla-werk-in-gruenheide-kollisionskurs-zur-ig-metall-accg-110730295.html

[vii] RBB: Tesla beschäftigt in Grünheide Menschen aus 150 Nationen, 16.8.2024: https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2024/08/mitarbeiter-tesla-gruenheide-150-nationalitaeten-fabrik.html 

[viii] N-tv: Tesla-Werkleiter deutet weitere Hausbesuche an, 26.9.2024: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Tesla-Werkleiter-deutet-weitere-Hausbesuche-an-article25253298.html

[ix] RBB: Tesla stellt 500 Leiharbeiter unbefristet an, 1.11.2024: https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2024/11/gruenheide-oder-spree-tesla-mitarbeiter-anstellung-unbefristet-leiharbeiter.html 

[x] Dpa: Tesla übernimmt 300 Leiharbeiter in Brandenburg, 19.3.2025: https://www.zeit.de/news/2025-03/19/tesla-uebernimmt-300-leiharbeiter-in-brandenburg 

[xi] Sächsische.de/RND: Tesla reduziert Zahl der Leiharbeiter im Werk in Grünheide, 18.4.2024: https://www.saechsische.de/wirtschaft/regional/tesla-reduziert-zahl-der-leiharbeiter-im-werk-in-gruenheide-FBGJIOYCVPGX74ODCGI2QLXZH4.html

[xii] N-tv: Tesla-Werkleiter deutet weitere Hausbesuche an, 26.9.2024: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Tesla-Werkleiter-deutet-weitere-Hausbesuche-an-article25253298.html

[xiii] Laut dem Jobportag kununu für Produktionsmitarbeiter*innen. Stand: 14.9.2025, abgerufen am 2.10.2025: https://www.kununu.com/de/tesla-deutschland/gehalt/produktionsmitarbeiter-in-47461 

[xiv] Handelsblatt: Was hinter der Initiative der polnischen Tesla-Mitarbeiter steckt, 2.9.2025: https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/gruenheide-was-hinter-der-initiative-polnischer-tesla-mitarbeiter-steckt-01/100151463.html