Deutscher Gewerkschaftsbund

März 2014

Rumänische Bauarbeiter erhalten 100.000 Euro an ausstehenden Löhnen

Europaviertel

EVW

50 rumänische Bauarbeiter meldeten sich im Februar 2014 bei der Beratungsstelle von Faire Mobilität in Frankfurt am Main. Die Männer waren teilweise seit November 2013 auf einer Hotelbaustelle im Frankfurter Europaviertel beschäftigt. Löhne waren seit Wochen gar nicht mehr oder nur noch spärlich geflossen. Die Situation war desolat. So mussten zunächst Spendengelder aufgetrieben werden, um die Arbeiter mit dem Notwendigsten zu versorgen.

Die Männer arbeiteten für das Subunternehmen K&T Contract Germarom, das vom Generalunternehmen Max Bögl mit Zimmermannsarbeiten auf der Hotelbaustelle im Europaviertel beauftragt worden ist. Ursprünglich hatte man den Bauarbeitern, teilweise gelernte Zimmerleute, einen Nettolohn von 1200 Euro versprochen – ein verlockendes Angebot, beträgt der monatliche Durchschnittslohn in Rumänien doch gerade einmal 450 Euro. Am 24. Februar legten die Zimmerleute die Arbeit nieder und demonstrierten vor der Baustelle für ihren Lohn. Das erste Angebot des Generalunternehmens: ein Taschengeld von 100 Euro und ein Freiticket, um zurück nach Rumänien zu kommen. Dieses lehnten die Arbeiter empört ab. Mit Unterstützung des Europäischen Vereins für Wanderarbeiterfragen (EVW) machten sie sich vielmehr daran, die geleisteten Arbeitsstunden aufzulisten und zu berechnen. Die Forderungen beliefen sich auf über 100.000 Euro. Gleichzeitig entschieden die Arbeiter, mit ihren Protestaktionen weiterzumachen. Als die Höhe der Forderungen von dem EVW, der IG Bau Region Hessen und Faire Mobilität veröffentlicht wurde, war die Empörung groß. Eine Solidarisierungswelle setzte ein, überregionale Medien begannen über den Fall zu berichten. Schlussendlich konnte der Verhandlungsführer der IG BAU, Ralf Helwerth, am 4. März verkünden, dass das Generalunternehmen zugesagt hatte, 100.000 Euro an die 50 Bauarbeiter auszubezahlen. „Neben der Solidarisierung mit den Bauarbeitern war ihr Zusammenhalt untereinander der Schlüssel zum Erfolg“, urteilt Mihai Balan, Frankfurter Mitarbeiter von Faire Mobilität, dessen Beratungsstelle in Hessen beim EVW angesiedelt ist. Der Fall zeigt, welche praktische Relevanz eine konsequente verschuldensunabhängige Generalunternehmerhaftung hat und was es bedeuten würde, sollte die zurzeit in Deutschland gültige Haftungsregelung durch die neue Durchsetzungsrichtlinie abgeschwächt werden.

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