Deutscher Gewerkschaftsbund

Mai 2013

Auszahlung der Löhne nach Intervention von Faire Mobilität

Baustelle

Thomas Siepmann/pixelio.de

Der attraktive Internetauftritt des slowakischen Ablegers eines deutschen Generalunternehmers lockte 14 slowakische Bauarbeiter nach Pforzheim. Drei Monate arbeiteten sie von Montags bis Samstags 10 Stunden täglich auf der Baustelle. Ihr Entgelt: eine einmalige Abschlagszahlung von 500 Euro.

Damit konnten die Bauarbeiter Lebensmittel und das Benzin für den Arbeitsweg bezahlen, aber auf ihren Lohn warteten sie vergeblich. Sie wohnten in einem Pforzheimer Vorort und zogen um, als der Subunternehmer die Miete nicht wie vereinbart bezahlte. Zuletzt wohnten sie dank der Großzügigkeit der Vermieterin mietfrei. Statt wie geplant ihre Angehörigen in der Slowakei finanziell zu unterstützen, ließen sich einige der ausgebeuteten Slowaken Geld schicken, um nach Hause zurück zu kehren – ohne Lohn. Nach drei Monaten ohne Bezahlung und der Übernahme durch einen weiteren Subunternehmer, der die Lohnschulden des Vorgängers angeblich auszahlen wollte, aber nicht handelte, wandten sich die in Pforzheim verbliebenen sechs slowakischen Bauarbeiter an einem Freitag an das Beratungsbüro "Faire Mobilität" in Stuttgart. Der Beraterin Katarina Frankovic kennt viele dieser Fälle, die durch die fehlende rechtliche Umsetzung der europäischen Arbeitsmarktpolitik entstehen: "Es ist übliche Praxis, den Arbeitern so viel Geld zu geben, dass sie gerade noch überleben können – aber das ist nicht ansatzweise der ausgemachte volle Lohn."

Die Voraussetzungen der Bauarbeiter waren gut, sie konnten deutsche Arbeitsverträge und eine Dokumentation ihrer Arbeitsstunden vorlegen. "Faire Mobilität" informierte die örtlichen Medien, beriet sich mit der IG BAU und berechnete die ausstehenden Löhne anhand der Unterlagen. Konfrontiert mit der Beweislage und dem Hinweis auf die Information der Medien, zahlte der Generalunternehmer die ausstehenden Löhne aus - schon 4 Tage nach dem Kontakt der Bauarbeiter mit der Beratungsstelle. Das Geld will er sich von dem Subunternehmer zurückholen und entzog ihm den Auftrag.

 

 


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Beratungsstelle Faire Mobilität in Stuttgart

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