Deutscher Gewerkschaftsbund

11.07.2017
Faire Mobilität

Gaskocher, Wäscheleine und Infos zum Mindestlohn

Info-Aktion: Flyer für LKW-Fahrer

LKW-Fahrer erhalten Flyer und Werbeartikel von Beratern Michael Wahl und Stanislava Rupp. Faire Mobilität/ Dominique John

Sommerferien ist Rasthofzeit: Auf der einen Seite essen Urlauber teure Pommes, auf der anderen werfen LKW-Fahrer aus Osteuropa den Gaskocher an. Auf dem Rastplatz in Hohenlohe bei Heilbronn huschten am Samstag noch 6 Menschen in Warnweste durch die parkenden LKWs: Sie informierten knapp 100 LKW-Fahrer über Arbeitsrechte und den deutschen Mindestlohn.

„Die Fahrer kommen fast alle aus Osteuropa. Nur wenige sind wirklich gut informiert. Einige wissen zwar, dass sie ab 1. Juni nicht mehr im Fahrerhaus übernachten dürfen, der Chef müsste ihnen ein Hotel bezahlen“, berichtet Anton-Eugen Schmid von ver.di Heilbronn: „Mit Kontrollen rechnet hier trotzdem niemand, das sind sie ja schon vom Mindestlohn gewohnt.“

Auf die Mindestlohnkontrollen hat ihr Arbeitgeber sie inzwischen dennoch gut vorbereitet. „Wir beobachten immer wieder ein Lohnmodell, das die Fahrer und den Zoll in die Irre führt. Die Fahrer werden dabei massiv betrogen, beispielsweise um Teile ihrer Rente“, erklärt Michael Wahl, er gehört zum Berater-Netzwerk „Faire Mobilität“ des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). Wahl informiert in Hohenlohe auf Polnisch, seine Kolleginnen Dragana Bubulj auf Kroatisch und Stanislava Rupp auf Tschechisch.

Ein ukrainischer Fahrer etwa, der auf dem Rastplatz gerade Kartoffeln kocht, bekommt 300 Euro Grundgehalt. Für die Zeit, die er in Deutschland fährt, werden ihm zusätzlich Spesen gezahlt. Damit soll angeblich die Differenz zwischen osteuropäischem und deutschem Mindestlohn ausgeglichen werden, auf dem Konto landen sie mit dem Überweisungszweck ‚Mindestlohn‘. „Aber der Mindestlohn darf nicht in Spesen gezahlt werden“, sagt der Berater: „Spesen sind Steuer- und Sozialabgabenfrei, Rente gibt es dann nur für die 300 Euro Grundgehalt.“

Die verteilten Flyer werden dementsprechend dankend und überraschend fröhlich angenommen. „Schwester, wenn ich für den Rest des Jahres Mindestlohn bekomme, bin ich Millionär“, scherzt ein Kroate, wohlwissend dass er den Mindestlohn einklagen müsste. „Der erste Schritt ist die Information über ihre Rechte. Ob die Fahrer dann aktiv werden, muss jeder für sich abwägen. Wir empfehlen immer mit Kollegen darüber zu sprechen, einer Gewerkschaft beizutreten und die Arbeitszeiten und -bedingungen zu dokumentieren“, berichtet Wahl. Das macht auch die alltägliche Arbeit von „Faire Mobilität“ leichter: Wenn die Berater nicht unterwegs sind, unterstützt das DGB-Projekt in 8 Städten mobile Beschäftigte aus den mittel- und osteuropäischen EU-Staaten bei der Durchsetzung von gerechten Löhnen und fairen Arbeitsbedingungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt.


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DGB, Kapweg 4, 13405 Berlin
Ansprechpartner
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E-Mail mobilitaet@dgb.de
Telefon (+49) 030 – 21 240 540

 

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